2006/03/01
Zwischenstadt

Es ist festzustellen, das "Stadt" der Neuzeit auf der ganzen Welt in ihr Umland ausgreift und dabei eigene Formen einer verstaedterten Landschaft oder einer verlandschafteten Stadt ausbildet.
Diese Siedlungsfelder nennen wir, einer uralten Traditin folgend, noch immer "Staedte"! Oder wir bezeichnen sie mit so abstrakten Begriffen wie "Stadtagglomeration", "Verdichtungsraum", "verstaedterte Landschaft" etc., weil wir merken, wie unangemessen der Begriff "Stadt" fuer diese Siedlungsfelder ist, ein Begriff, der ganz andere Assoziationen hervorruft. In Ermangelung eines besseren Begriffes wollen wir diese Gebilde, die aus "Feldern" unterschiedlicher Nutzungen, Bebauungsformen und Topographien bestehen, Zwischenstaedte nennen: Sie breiten sich in grossen Feldern aus, sie haben sowohl staedtische wie landschaftliche Eigenschaften. Diese Zwischenstadt steht zwischen dem einzelnen, besonderen Ort als geographisch-historischen Ereignis und den ueberall aehnlichen Anlagen der weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung, zwischen dem Raum als unmittelbarem Lebensfeld und der abstrakten, nur in Zeitverbrauch gemessenen Raumueberwindung, zwischen der auch als Mythos noch sehr wirksamen Alten Stadt und der ebenfalls noch tief in unseren Traeumen verankerten Alten Kulturlandschaft.
Thomas Sievert, Zwischenstadt, Vieweg, 1999, Seite14