2006/03/02
the great vienna auto expander

Wampuer betrat in Motorradkluft das Buero des Professors, knallte seinen Helm auf den Tisch und verkuendete dem verdutzten Schwanzer die Abschlussarbeit "Gebaeudelehre und Entwerfen" der Studenten, die ab sofort unter dem Gruppennamen Zuend-Up firmierten, sei am soundsovielten in der Tiefgarage AmHof abzunehmen, und es spricht fuer den Herrn Professor, dass er die Einladung annahm. Die Geraeuschkulisse untertags war enorm. Der Norton-Club drehte Runden, und wer wollte, konnte hinten aufsitzen. Der Professor nahm an, erklomm den Sozius und jagte im naechsten Moment mit Vollgas auf die Betonwand am Ende der leeren Halle zu und dann gleich auf der Gegenfahrbahn zurueck zum Start. Benommen vom Schrecken, immer noch am Fahrer angeklammert, ueberhoerte er die ueber die Schulter zurueckgeworfene Frage "Wuest leicht no amoi?" und schon ging es wieder los. Das praesentierte Projekt war an die weissen Fliesen einer Waschkabine geklebt, rund um das Modell, das im Prinzip ein schwarz gestrichener, mit Auspuffrohren dekorierter Flippertisch war und eine Dagsterstrecke vom Karlsplatz zum Stephansdom darstellte, mit Wendepunkt in der ehrwuerdigen Kathedrale. Den Anschauungsunterricht erteilten die Motorradjungs vor Ort. Mit diesem denkwuerdigen Nachmittag waren die Zuend-Up Legende. Ich war stolz und traurig zugleich, denn ich wusste, dass meine unterbelichteten Bilder und die Colllagen an der Wand das Einzige sein wuerden, was von all der jugendlichen Kraft, der unbekuemmerten Kuehnheit von Zuend-Up uebrig bleiben sollte. Was soll es, an diesem Nachmittag gehoerte ihnen die Welt.
Martina Kandeler-Fritsch (Hrsg.), Zuend-Up, Springerverlag, 2001, Seite 45