2006/03/05
der vernetzte kaempfer

Die deutschen Streitkraefte stehen vor dem "groeszten Reformvorhaben seit dem Bestehen der Bundeswehr", sagt Brigadegeneral Manfred Engelhardt vom Fuehrungsstab des Bundesverteidigungsministeriums. Es geht um die neue Doktrin der netzgestuetzten Kriegsfuehrung (Network Centric Warfare). Deutschland soll Anschluss an die US-Streitkraefte finden, die angeblich in Afghanistan und im Irak schon Kostproben dieser neuen Art des Krieges abgegeben haben. Auf Deutsch nennt sich die neue Strategie "vernetzte Operationsfuehrung". 90 Mann hat das Verteidigungsministerium auf das Thema angesetzt, die sich nun im Zentrum fuer Analysen und Studien der Bundeswehr, einem wuchtigen Nazibau im westfaelischen Waldbroel, den Kopf darueber zerbrechen.
Network Centric Warfare soll den groesztmoeglichen Nutzen aus der Kommunikationstechnik ziehen. Ein Klick auf den Handcomputer - schon baut sich vor dem Soldaten im Feld der Schlachtplan mit der Lage der eigenen und gegnerischen Truppen auf. Die Daten stammen von einer Armada von Himmelsspionen -Drohnen, Satelliten und Flugzeugen- und allen Kampfeinheiten, die ihre Informationen zunaechst in ein zentrales Rechensystem einspeisen. Von dort wird dem Soldaten vor Ort das fuer ihn relevante Operationsbild in Echtzeit serviert. Er behaelt stets den Ueberblick und hat dieselben Informationen an der Hand wie der Oberkommandierende im Gefechtszentrum. Schneller und effizienter wird das blutige Geschäft dadurch, hoffen die Strategen. Aus dem Geist des Netzes heraus soll sich das Militaerwesen voellig transformieren - weniger Soldaten, mehr Technik.
Stefan Krempl, der vernetzte Kaempfer, Die Zeit, 11.09.2003, Nr.38